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Poesie => Dies und Das


Als Jesus wiedergeboren wurde... - von AlterMann, 12.03.2019
Als Jesus wiedergeboren wurde, …

Verschiedene Menschen, die in verschiedenen Städten wohnen und sich untereinander nicht kennen. Und doch fügt es diese kleine Geschichte so, das sie alle, ohne es zu wissen aufeinander einwirken und schlussendlich ein gemeinsames Ziel haben das sich mit Wort ausgedrückt, mit Zuneigung und bei einigen der handelten Personen dann auch mit Liebe beschreiben lässt. Alle haben ihre Schwächen wie das bei Menschen nun mal so ist und diese Schwäche führt sie alle an einen Punkt an dem sie kraftlos und verloren sind. Sie alle erkennen dann aber so langsam dass ihnen aus ihrer Schwäche und Hilflosigkeit eine Stärke erwächst die sie alle vorher an sich selbst nicht kannten.

Warum soll das hier nicht zu einem Drehbuch taugen? Aber da ich keinerlei Ahnung habe wie man ein Drehbuch schreibt stelle ich sie hier als nicht so kleine Geschichte ein. Aber auf ein paar Erläuterungen wie ich mir die Geschichte vorstellen kann will ich nicht verzichten.
Die Geschichte soll den Charakter eines Märchens für Erwachsene haben. Sie soll erzählt werden und dann während des Erzählens der Einleitung (7-10 Minuten) so langsam in den Film der die Geschehnisse behandelt überblenden.

Der/die Erzähler/in soll eine reife, vom Erscheinungsbild her ein gutmütige Person sein. (etwa ein/e junger Oma/Opa-Typ) Der Erzähler befindet sich in einer häuslichen Umgebung wie z.B ein Wohnzimmer (mit Kamin?), ein Garten, auch beim Grillen z.B. oder in einer Küche. Rundherum hört man alles was man als normale Geräusche in einem Haushalt mit Kindern unterschiedlichen Alters hört. Ab und zu kommt ein beschäftigtes Kind (unterschiedliches Alter) vorbei das z.B. ein Handy in der Hand hält, oder es kommt eine junge Frau (Mutter) mit Kind auf dem Arm und fragt den Erzähler ob er was braucht/wünscht. Dann bringt sie ihm jeweils das gewünschte, z.B. Kaffee, Bier, Tee etc. Vielleicht setzt sie sich, oder auch ein Kind zu dem Erzähler während er zu erzählen beginnt.
(Das Cliche der 'heilen Welt' muss voll ausgeschöpft werden ohne die Realität zu verlassen. D.h. z.B. das Kind streitet auch mal mit einem anderen Kind, die Mutter schimpft einmal mit jemanden, etc.)
Das Manuskript hat 52 Kapitel (eins pro Woche) und beginnt in der ersten Januarwoche und endet unbedingt an Weihnachten.
Die Umgebung in der die Erzählung stattfindet soll gefühlsmäßig leicht übertrieben werden. D.h., ein Bahnhofsviertel ist halt ein (etwas heruntergekommenes) typisches Bahnhofviertel. Eine Absteige ist eine (billige, unschöne) Absteige usw. Die Umgebung muss gefühlsmäßig erfassbar, aber immer etwas übersteigert dargestellt sein. Schöne Landschaften müssen einfach schön sein. (wie in einem Urlaub) usw.

Die darstellenden Personen sollen Typ haben. Z.B. Maria ist der Typ Arbeiter. Claire eine sehr schöne junge Frau, die aber privat nicht so gesehen werden will und sich sozusagen verbirgt. Während ihrer Arbeit muss Claire, im Gegensatz zu ihrem Privatleben nicht wiederzuerkennen sein. (berauschend schön sein). Roland ein junger attraktiver normaler junger Mann. Muli ein typischer Weiberheld, Sehr gut aussehend, eleganter Körperbau, groß und kräftig usw. Danach ein Junky der auch vom Aussehen her völlig heruntergekommenen ist. Das krasse Gegenteil von dem was er einmal war u.s.w. Der Wechsel der Persönlichkeiten muss nachvollziehbar sein.
Die Dialoge in den einzelnen Kapitel sollen sich soweit als möglich auf das beschränken was bildlich nicht dargestellt werden kann.













(Die Umgebung in der die Geschichte beginnt)

große, graue, eintönige Plattenbausiedlung.
Der Erzähler/in beginnt
Ich weiß nicht mehr wo es war oder vielleicht will ich es auch einfach nicht mehr wissen. Es ist eigentlich auch unwichtig. Wichtig ist nur, dass wenn es passiert wäre was ich dir jetzt erzähle, es so passiert sein könnte wie ich es hier beschreiben werde. Es könnte also überall, in jeder größeren Stadt in Deutschland gewesen sein wo meine Geschichte beginnt und auch enden wird.
Es waren große, wirklich grundhäßliche, einheitlich graue Wohnblocks in denen die Menschen hier leben mussten. Es mussten gefühlt tausende Menschen sein! Niemand wollte eigentlich hier wohnen, aber es war halt so! Es gab für die einfachen Menschen die hier lebten und diejenigen die aus irgendeinem Grund den sozialen Anschluss verloren hatten und deswegen hier wohnten, keine Alternative. Hier konnte man die Wohnungen mit seinem Lohn noch gerade so bezahlen.
Die ehemals grünen Rasenflächen zwischen den Wohnblocks waren jetzt eher einheitlich braune Inseln zwischen den grauen Beton Blöcken, die eigentlich eher durch das nicht grün sein und ihre unregelmäßige Form auffielen als das sie irgendeinen anderen Sinn gehabt hätten als die ablehnende Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die vereinzelten Ränder, der jetzt erdbraunen Flächen die noch mit Gras bewachsen waren erinnerten an das was diese Grünflächen einmal gewesen waren. Die Spielplätze hier waren verkommene, modernde Orte ehemaligen Lachens und Frohsinns. Kinder konnte man hier keine sehen, die ließen ihre Eltern hier im Viertel nicht auf der Straße spielen. Das machte aus diesen riesigen Wohnblocks große Gefängnisse für viele kleine Kinder. Nur morgens, wenn die Kinder zur Schule gingen huschte ein kleiner grauer Schatten von Freude und Frohsinn durch die Gegend. Aber es war halt nur ein Schatten! Selbst die Kinder wurden hier so nach und nach zum Schatten ihrer selbst, weil sie etwas Grundsätzliches für ein Kind, das Vertrauen verloren. Sie verloren hier in dieser Umgebung ihr Kind-sein so schnell wie die Wolken den Regen bei einem Sturm. Das Grau der Wohnblöcke und das stumpfe Braun der ehemaligen Rasenflächen schienen gierig jede Freude und Frohsinn zu verschlingen und aufzusaugen.Es war ein trostloser Ort, ohne jede Zukunft und Vergangenheit. Es gab nur die Gegenwart, die scheinbar losgelöst von der Zeit, unfassbar herum wabberte. Diese Gegenwart bestand nur aus Momenten die sich endlos aneinander reihten und die, wenn man sie auch noch so positiv betrachtete im Rückblick keinen rechten Hinweis auf ein gelebtes Dasein ergaben. Es war jeden Tag das Gleiche, ein Tag war wie der Tag gestern gewesen war und war so wie der kommende Tag werden würde. Ganz selten ergaben sich hier mal Abweichungen. Die Menschen kamen und gingen, es gab nie Stillstand bei den Wohnungswechsel. Gerade glaubte man einen Nachbarn zu erkennen, schon war er wieder aus- oder umgezogen. Also hatten die Menschen hier sich angewöhnt gar nicht erst mit jemanden vertraut werden. Solange sie ihre Ruhe hatten und das Drumherum ihr Leben nicht berührt wurde interessierte sie nichts anderes als ihr eigenes, kleines, unbedeutendes Bestehen. Der eine wie der andere Tag wiederholten sich unaufhörlich und mit fast schmerzhafter Genauigkeit, es gab keine Änderung im Leben dieser Menschen.
Der ungeheure Druck, so schwer und heiß wie flüssige Lava, dieser ganzen traurigen Umgebung verhinderte einfach jeden Wechsel. Es wäre aber auch unerträglich für die Menschen gewesen wenn sich unerwartet etwas geändert hätte. Das hätte ihnen das bisschen, wenn auch falsche Gefühl von Sicherheit das sie in ihren kleinen, stillen, bescheidenen Wohnungen gehabt hatten, auch noch genommen.
Dort, an der Bushaltestelle stand, wie eine billige Kopie von Natur, ein wohl schon alter Baum. Er wurde schon gar nicht mehr so richtig grün. Wie bei einem alten Mann der die Haare verliert hingen die einzelnen grünen Zweige auf einer Höhe rund um der Baum herum und schienen etwas sagen zu wollen. Vielleicht wollten sie Hoffnung geben?
Ja …, und so war der Baum auch bekannt, als „der alte Mann“! Es war außer den Nummern der einzelnen Wohnblocks und den einzelnen Wohnungsnummern, der einzige klar definierte Bezugspunkt in dieser Wohnhöhlenhölle.
Seine Rinde war ganz rau und in den vielen Jahren als einziger Schattenspender an der Haltestelle war seine Rinde mit Kritzeleien und eingeritzten Namen übersät. Es hingen ganz viele unterschiedlich große, beschriebene Zettel an dem Stamm. Wenn man sich die Mühe gab und genauer hinschaute konnte man das Wachsen und Älterwerden der Kinder genau verfolgen. Ganz unten, dort wo die kleinsten Kinder hinreichten konnte man alle Arten von Buchstaben, Tieren und von Strichmännchen die sich an der Hand hielten sehen. Etwas weiter oben waren dann die von Pfeilen durchbohrten Herzen zu sehen, Buchstaben die durch ein Pluszeichen verbunden waren und man konnte Bemerkungen wie, „Luise geht mit Peter“ oder einfach das mit einem Herzchen verzierte Wort „Love“ lesen. Dann, noch weiter oben, ging es dann aber wirklich zur Sache! Hier waren Penisse, nackte Frauen, oder was man dafür hielt, abgebildet, Da stand dann klar und deutlich dass die Petra eine Schlampe sei und die Frederika eine Hure. Dass die Uschi eine schöne Muschi habe und noch vieles in mehr in der Art. Aber, sozusagen als oberste Spitze der Bosheit, war ganz oben, weit oberhalb des ganzen anderen Gekritzels und den Zettelchen die da hingen ein Blatt Papier mit einem Foto angeheftet das das Gesicht eines jungen Mädchens zeigte. Darunter stand in dicken schwarzen Druckbuchstaben, „Die Ursula B. Ist gar keine richtige Frau weil sie einen Schwanz hat“.
Der traurige Zettel schien schon eine ganze Weile da zu hängen denn das Foto war schon ziemlich ausgebleicht. Ob der Zettel nun noch da hing weil es dem Mädchen gleichgültig war oder ob sie schon eine Weile hier nicht mehr wohnte, das konnte man nicht wissen. Es muss aber furchtbar für sie gewesen sein hier zu wohnen!
Auf der großen braunen Fläche gegenüber der Haltestelle stand völlig verloren und einsam ein kleiner runder Pavillon. Das heißt, so klein war er eigentlich gar nicht. Hier war so etwas wie eine Leitstelle der Einsamkeit, der Dunkelheit und Schwere die dieses Wohngebiet so drückend machten. Hier war die Zentrale wo sich so nach und nach fast alle Menschen aus dem Wohngebiet irgendwann im Verlauf des Monats trafen. Ein paar Männer um Bier zu trinken waren immer da. Meist waren noch einige Betrunkene da die sich wirklich jeden Tag dort aufhielten. Sie suchten in dieser Wohnhöhlenisolation eine Art von Geselligkeit, ein Gemeinschaftsgefühl, einfach nur um jemanden ein kleines bisschen nahe sein, selbst wenn es nur seine Saufkumpanen waren.
Die Frauen sah man meist nur zum Monatsende hier wenn das Geld knapp war um hier auf Kredit einzukaufen oder wenn sie zum Monatsanfang hier waren um ihre Schulden vom Vormonat zu bezahlen. Ja das war die Umgebung in der unsere, an dieser Geschichte beteiligten Menschen lebten oder gelebt hatten.
Es waren aber keine besonderen Menschen, es waren ganz einfach Menschen! Einer dieser Menschen war der Italiener. Mit ihm will ich meine Geschichte beginnen.
(Der Italiener) Hier in diesem Pavillon herrschte er, der kleine, ewig schlechtgelaunte „Italiener“, mit eiserner Hand und seinen, wie er sie nannte, „Kontobüchern“. Niemand wusste wie er wirklich hieß! Er war halt für alle Menschen die hier wohnten einfach nur „der Italiener“. Aber man vermutete nur wegen seines Dialektes das er aus Italien kam, genaueres wusste man nicht. Wie alt er war konnte man nur schwer abschätzen. Er hätte 40 Jahre alt sein können oder 60, man sah ihm kein Alter an. Er war ein kleiner, dürrer Mann der immer wenn er das kleine Verkaufsfenster erreichen wollte wohl auf eine Kiste oder so was steigen musste um durch ein kleines Fenster die Menschen draußen in dieser anderen Welt vor seinem kleinen Fenster zu bedienen. Er war wohl der einzige Mensch auf der Welt, der immer, wenn auch nur nur für einen Monat, Hoffnung in diese Menschen hier setzte. Denn hier, an diesem Kiosk, bekamen sie noch Lebensmittel auf Kredit zu kaufen. Es gab ja so viele Möglichkeiten mit dem Geld nicht ans Monatsende zu kommen. Ein Kindergeburtstag, der trinkende Mann, ja oft nur der Kauf der Monatskarte für den Bus, Schuhe die für die Kinder gebraucht wurden, all das und vieles mehr konnte schuld daran sein dass wieder mal ein paar Euro bis zum Monatsende fehlten. Diese Menschen hier in diesen Wohnblocks lebten sowieso schon sehr eingeschränkt und dann eine unverhoffte Geldausgabe, … das brachte dann oft den ganzen Monat ins finanzielle Durcheinander. Der Italiener verkaufte eigentlich alles was zum Grundbedarf des Lebens nötig war. Brot, Wurst Fertigkuchen, Marmelade, Tiefgefrorenes, Konserven aller Art, einfach alles! Und natürlich Bier. Es war unglaublich was in diesen runden Pavillon reinpasste. Der Italiener wusste auch immer sofort ob er das, was verlangt wurde, noch vorrätig hatte oder nicht. Er hatte zu jedem Zeitpunkt sein ganzes Inventar aktualisiert und komplett und bis ins kleinste Detail im Kopf und wusste immer wo es sich befand! Das Teuerste was er zu verkaufen hatte war Klopapier, es war sozusagen seine ganz eigene, persönliche Macke! Klopapier, … es war halt notwendig und wurde immer gebraucht also musste er es auch anbieten. Es tat ihm aber im Herzen weh zu sehen wie viel Platz das Klopapier in seinem Pavillon zur Lagerung beanspruchte. Da hätte er so viele andere Dinge die er auch hätte verkaufen können lagern können, aber nein, es musste dieses verfluchte Scheißhauspapier sein.
Er hatte schon mal versucht es nicht mehr anzubieten aber die Leute hatten ihn so genervt dass er sich „diese Scheiße“ wieder in sein Lager gelegt hatte. Und eben um die Menschen vom Klopapierkauf abzuhalten verkaufte er es in seiner Enttäuschung und Wut über den verschwendeten Lagerplatz, so teuer wie möglich und nur in den kleinst möglichen Gebinden.
Die Klopapierhersteller und er würden in diesem Leben mit Sicherheit keine Freunde mehr werden! Dazu hasste er den durch die Lagerung des von dem Klopapier verschwendeten Platz generell und speziell in seinem Pavillon viel zu sehr.
Er war wirklich schon etwas seltsam wie die Leute sagten. Das war wohl wahr!
Niemand hatte ihn je den Pavillon verlassen sehen. Er tat, aus welchem Grund auch immer, keinen Schritt aus dem Rahmen seiner waagerecht zweigeteilten Türe ins Freie. Noch nicht einmal um den Abfall nach draußen zubringen. Er gab lieber einem Kind ein paar Euro oder irgendwelche Süßigkeiten dass sie ihm den Abfall in seinen Müllcontainer warfen.
Es war immer wie ein kleines Ritual! Er gab zuerst einen Schlüssel heraus mit dem das Schloss an der Kette die seinen Müllcontainer verschloss geöffnet werden konnte. Dann musste der Schlüssel ihm wiedergegeben werden. Nun musste der Müll weg gebracht werden und „ordentlich“ im Müllcontainer verstaut werden, hinterher musste unter seinen wachsamen Augen die Kette wieder angelegt werden und das Schloss wieder angelegt werden. Nun erst bezahlte er das Kind das den Müll weggeschafft hatte mit dem vereinbarten Lohn. Das, so hatte er in der Vergangenheit gelernt, musste die Reihenfolge sein um wieder an seinen Schlüssel zu kommen und um sonstigen Kinderstreichen zu entgehen.
Seine ganze Welt schien so etwa 8 bis 10 Meter im Durchmesser zu haben und etwa drei bis vier Meter hoch zu sein. Das war ganz offenbar die ganz alleine ihm gehörende Welt! Alles andere drumherum schien ihm so fremd wie die fernste Galaxie im Universum. Wo er schlief, ob er sonst wo eine Wohnung hatte, ob er Familie, Freunde oder auch nur Bekannte hatte wusste niemand. Weniger noch wusste irgendwer wie es in dem Pavillon aussah. Er hatte, seit er vor vielen Jahren sein Geschäft eröffnete, niemanden den Pavillon betreten lassen. Noch nicht einmal die Lieferanten! Er war, in dieser Welt des Überflusses, ein Eremit dessen Glaube an das durch die Lagerung von diesem Scheißhauspapier verschwendeten Platzes ihm heilig war. Sein Gott war mit Sicherheit ein Gott der kein Klopapier brauchte! Wie gesagt, jeden Monat zum Zahltag fanden sich in den folgenden 8 Tagen sehr viele von den Menschen, meist Frauen hier ein um mal wieder ihre Schulden des vergangenen Monats zu begleichen. Sie standen dann in kleinen Gruppen herum und tratschten über belanglose Dinge, immer darauf achtend nichts über sich selbst oder ihre Familie preiszugeben.. Die Köpfe zusammensteckend und sich wie Verschwörer umschauend, schimpften sie meist leise über die Preise und die Qualität der Produkte die der Italiener ihnen verkaufte. Der Italiener hatte für jeden seiner Kundinnen ein eigenes kleines Schulheft, ein Kontobuch wie er es nannte, in dem er mit akribischer Schönschrift alles in italienisch eintrug was die Menschen so kauften. Als Nächstes wurde hinter das Datum der Artikel der gekauft worden war, jeder einzeln für sich in italienisch, in eine neue Reihe geschrieben. Dahinter wurde dann mit einem roten Stift der meist etwas überteuerte Preis eingetragen. Nun mussten die Menschen jede Zeile in der ein gekaufter Artikel stand, jetzt wieder mit einem blauen Stift, unterschreiben. Tüten oder Taschen gab es nicht, da war der Italiener aus Geiz seiner Zeit schon um dreißig Jahren voraus.
Nachträgliche Beschwerden waren bei ihm nicht zugelassen. Wenn über den Preis oder die Qualität der Waren zu ausgiebig gemeckert wurde, wurde der Name der Person sozusagen aus seinem Handelsregister gestrichen oder anders gesagt, die Person wurde aus seiner Galaxie, aus seinem Kredit-Universum verbannt und im nächsten Monat oder, im schlimmsten Falle vielleicht auch für immer, gab es dann einfach nichts mehr auf Kredit. Er war mit seinem Pavillon, seiner Gegenwart und seinen Eigenheiten das einzige und perfekte passende Puzzleteil in der ganzen großen Welt, das nur hier und genau hier in in dieser einsamen Umgebung und sonst nirgendwo auf der Welt exakt hinein passte. Jetzt will ich von einigen anderen Menschen die hier wohnten erzählen.

(Maria) Da war zuerst einmal Maria, sie war vierundzwanzig Jahre alt und arbeitete sein fast zehn Jahren in der Steingut Fabrik am Stadtrand. Direkt nach der Hauptschule hatte sie dort angefangen zu arbeiten. Sie stand heute noch an genau der gleichen Arbeitsstelle an der sie damals ihre Arbeit in der Fabrik aufgenommen hatte. Sie sah ganz passable aus und ja, man hätte sie hübsch nennen können! Sie war als zuverlässige Arbeiterin geschätzt und machte klaglos alle Fehlstunden der anderen mit eigenen Überstunden wett. Sie war schon immer etwas deprimiert gewesen aber seit ihre Mutter tot war war es schlimmer geworden. Dass Roland sie verlassen und so tief verletzt hatte, hatte auch nicht gerade dazu beigetragen ihr mehr Freude am Leben zu geben.
Sie war jetzt alleinstehend und hatte seit Jahren keinen Freund oder Partner und auch nur ganz wenige Freunde. Nun ja, Freunde war wohl ehrlich gesagt schon etwas zuviel gesagt, es waren wohl eher nur bessere Bekannte. Die einzige Person mit der zusammen sie sich wohlfühlte war Claire. Sie wohnte im nächsten Block auf 308. Mehr wusste sie auch nicht von ihr! Und sie wollte auch gar nicht mehr wissen. Sie empfand diese Unwissenheit sozusagen als Schutz sich selbst gegenüber um nicht verletzt zu werden. Aber immer wenn Claire zu ihr kam war es so als ob sie sich schon seit ganz vielen Jahren kennen würden und es gab eigentlich nichts das sie, ohne das sie darüber je geredet hatten, voreinander verbergen wollten. Wenn sie zusammen waren, waren sie beide wieder wie zwei kleine Mädchen. Sie lachten bis ihnen schwindelig wurde, aßen Eis bis ihnen die Schläfen weh tat, sie tobten in der kleinen Wohnung herum wie zwei übermütige Kinder.
Sie hatten auch schon einige Male miteinander geschlafen und auch Sex gehabt. Sie hatte sich nicht verweigert weil, … ja weil es halt so gekommen war, es sich nicht schlecht anfühlte, sie sich so alleine fühlte und sie beide sich hinterher immer so gut fühlten. Am schönsten war dann immer das Aufwachen am Morgen. Sie konnte dann immer den warmen Körper ihrer Freundin spüren und blieb dann immer ganz still liegen um ganz genau die Atemzüge von Claire zu hören und spüren. Es war dann immer beruhigend zu fühlen das jemand da war der nichts von ihr erwartete, sie aber trotzdem mochte. Liebe? Nein das hatte damit nichts zu tun, sie mochte Claire und vertraute ihr, aber Liebe war das nicht! Nur so eine Art des zärtlich vertrauten sich Entspannens. Sie mochte Männer, es war ihr im Moment aber einfach nur zu anstrengend und schmerzhaft dieses ständige Werben um sich zu ertragen. Es war nicht das Vertrauen da das es bei Claire gab! Seit mehr als fünf Jahren, als Roland sie damals so bestohlen, betrogen, und so tief verletzt hatte und anschließend noch einfach so, ohne ihr ein einziges Wort anzudeuten, verlassen hatte, hatte es keinen Mann mehr in ihrem Leben gegeben. Den einzigen sexuellen Kontakt den sie in dieser ganzen Zeit hatte waren die wenigen Male mit Claire gewesen. Und die hatte sie, das gestand sie sich selbst ehrlich ein, immer genossen. Das Leben schien dann hinterher wenn sie an ihrem Arbeitsplatz war für eine Zeit lang etwas leichter und freundlicher. Sie war dann ein paar Tage weniger traurig! Die Männer in der Fabrik hatten ja schon lange aufgehört um sie zu werben da sie sie alle immer und immer wieder hatte abblitzen lassen. Sie galt als unnahbar! Sogar der alte aufdringliche Kerl von Abteilungsleiter lies sie jetzt in Ruhe seit sie ihn einmal zufällig in einem der äußeren Stadtviertel getroffen hatte. Sie war nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause im Bus eingeschlafen und hatte sich verfahren und war irgendwo in einer dieser kleinen Einfamilien Haus Siedlungen in der Vorstadt gelandet. Als sie aufwachte und bemerkte dass sie sich verirrt hatte stieg sie ein bisschen über sich selbst verärgert, einfach an der nächsten Haltestelle aus um zu sehen wie sie zurück kommen könnte. Diese Haltestelle war wohl zufällig nahe an dem Haus wo dieser Scheiß Kerl von Abteilungsleiter wohnte. Und so als ob er gerufen worden wäre tauchte der Idiot auch noch auf und fuhr mit seinem Protz-Auto um die Ecke, genau in die Richtung in der sie stand. Er hielt verdutzt vor ihr an als er sie erkannte und fragte ganz erstaunt was sie denn hier machen würde. Einer spontanen Eingebung folgend sagte sie ihm das sie seine Frau suchen wolle um ihr zu sagen das er sie immer wieder belästige! Er wurde wirklich im wahrsten Sinne des Wortes leichenblass und beschwor sie wortreich das um Gottes willen nicht zu tun. Maria war selbst erstaunt über die Wirkung ihrer Worte und musste fast lachen so schäbig erschien er ihr jetzt und ganz ohne Planung, einfach so sagte sie ihm dass er sie nicht mehr weiter belästigen solle und das sie eine deutliche Lohnerhöhung für ihr zukünftiges Schweigen von ihm erwartete. Und von da an hatte sie in der Firma ihre Ruhe! Mit der Zeit regelte sich die Beziehung der Beiden auf ein ganz praktisches Niveau. Er hielt allen unnötigen Ärger von ihr fern, sie hatte mehr Lohn und ihre Zuverlässigkeit als Arbeiterin machte sie für Ihn zu einem Stabilitätsfaktor in seiner Arbeitsplanung den er mit der Zeit zu schätzen wusste. Nun zu unserer zweiten Person aus unserer Geschichte. Roland, ja richtig, ... genau der Mann, der Maria so verletzt hatte.
(Roland) Er war jetzt 26 Jahre alt und fuhr leidenschaftlich gerne Motorrad. Er war groß und kräftig und er war eher gutmütig als aggressiv. Auf seine langen braunen Haare war er besonders stolz. Die wären es auch wert gewesen bei jeder Werbung gezeigt zu werden.
Er war ein guter, begabter Handwerker und lernte schnell neue Dinge dazu. Er wohnte jetzt nicht mehr in der Stadt in der Maria wohnte, er hatte aber mit Maria zusammen dort gewohnt. Er war nach der Trennung von Maria irgendwann nach einigen Umzügen in einem Dorf auf dem Land gelandet, weil es hier die einzige Wohnung gab die er noch hatte bezahlen können. Aber diese, eigentlich zufällige und unerwünschte Fügung hatte sich gut auf sein Leben ausgewirkt. Die Freunde in der Stadt mit ihren Kneipengängen, Drogen, ihren Schlägereien und eine-Nacht-Frauen waren weit weg, schwerer zu erreichen. Er hatte ja sogar sein geliebtes Motorrad verpfänden müssen und es schlussendlich auch verloren. Er konnte sich nur mit dem Bus oder dem Zug fortbewegen. Also suchte er erst gar nicht nach seinen alten Freunden. Da das Geld das er von Marias Bankkonto gestohlen hatte schon lange aufgebraucht war schaute er sich nach Arbeit um, um wenigstens wieder sein Motorrad auszulösen. Aber das Geld das noch übrig war reichte nicht dafür und besonders eifrig bemühte er sich auch nicht um eine reguläre Arbeit. Er machte aber alles was sich ihm an Schwarzarbeit anbot. Alles was man ohne einen Namen anzugeben als Schwarzarbeit machen konnte. Er war sich für nichts zu schade. Er war mit seiner Arbeitsleistung die er von sich verlangte wirklich gnadenlos gegen sich selbst. Er lag jedes Jahr wochenlang in ganz Deutschland bei verschiedenen Bauern bäuchlings auf dem Pflückwagen hinter dem Traktor um Gurken aus dem Boden zu ernten, er war beim Spargelstechen, bei der Apfelernte und im Herbst hatte er auch in den Weinbergen gearbeitet. Im Winter hatte er bei einigen Bauern Arbeitsgeräte repariert usw. Das ganze Jahr über war er von einer Ernte zur anderen unterwegs. Er hatte sogar schon als Decksmann auf einem Fischkutter ausgeholfen. Es waren für ihn zwei unglaublich anstrengende Jahre gewesen, aber so nach und nach hatte er sich seine kleine Wohnung mit allen Bequemlichkeiten, wirklich schön eingerichtet. Er war ja auch kaum zu Hause da er immer bei irgendwelchen Bauern am arbeiten war und deshalb hatte er auch immer eine kleine fertig gepackte Tasche in seinem Schlafzimmer die mit allem was man so brauchte gepackt war. Die reichte aus um ihn für drei oder vier Wochen mit allem an Kleidung und Hygieneartikel zu versorgen. Mehr brauchte er nicht! Es gab auf den Höfen wo er arbeitete immer dreimal am Tag reichlich Essen und manchmal konnte man auch dort schlafen. Die Menschen in seiner Umgebung kannten ihn langsam und sahen und anerkannten in ihm das was auch sie selbst waren, einen hart arbeitenden Menschen. Ab und an dachte er an Maria und immer wieder schmerzte es ihn. Die erste Zeit hatte er es einfach verdrängt aber später war das mit den Jahren einfach nicht mehr möglich. Sein Verhalten gegenüber Maria brannte sich mit jedem Monat der verging tiefer und schmerzhafter in sein Gedächtnis ein. Und manchmal schämte er sich vor sich selbst in Grund und Boden wenn er daran dachte wie er sie behandelt hatte und was er, nur um seinen Freunden zu gefallen von ihr verlangt und mit ihr gemacht hatte. Er trug dieses beißende Wissen in sich herum wie eine Krankheit die sich immer mehr in seinem Geist ausbreitete. Es waren jetzt seit der Trennung von Maria fünf Jahre vergangen und seine bohrenden Schuldgefühle waren zwar immer noch gegenwärtig, aber sie waren nur noch ab und zu so unerträglich wie zu Anfang. Manchmal fragte er sich warum ihn das alles so sehr beschäftigte. Er fand keine rechte Erklärung dafür. Er war, wie immer um diese Jahreszeit, wieder einmal im Osten Deutschlands um bei der Gurkenernte zu helfen. Es waren meistens die gleichen Leute die, wie in den Vorjahren die als Helfer kamen. Es wurde nicht nach dem Namen gefragt, es gab dreimal täglich ausreichend und gutes Essen und schlafen konnte man auch umsonst so das es eigentlich keine weiteren Kosten zum Lebensunterhalt gab. Man kannte sich schon ziemlich gut untereinander da man sich ja seit Jahren immer wieder in der Erntezeit getroffen hatte. Auch diesmal traf er wieder die rumänische Familie die jedes Jahr mit Kind und Kegel da war. Der Unterschied war nur dass es jedes Jahr ein Kind mehr war! Alle arbeiteten in der Umgebung bei den Bauern. Alle, auch die Kinder ab sechs Jahren lagen auf der Pritsche und leisteten Männerarbeit. Die kleineren Kinder waren unter der Obhut der Oma, die nur zu diesem Zweck mitgekommen war, auf dem Hof zurück geblieben. Wenn Roland sich mit diesen Menschen traf war das immer so etwas wie ein Familientreffen. Mit viel Getöse und Getue wurde sich freudig umarmt, sich freudig erregt auf den Rücken geklopft, geredet und gelacht und es herrschte eitel Freude!
Und wie jedes Jahr kam auch jetzt wieder die Frage ob er denn jetzt verheiratet sein und eine Familie habe. Und wie immer musste er verneinen. Und genauso wie immer versuchte man ihn, wenn es zu ermöglichen war, ihn mit der ältesten Tochter alleine zu lassen. Sie hieß Natja und war wirklich ein bildhübsches Mädchen, etwa zwanzig Jahre alt.
Wie alt sie genau war wusste sogar die Oma nicht. Sie sagte nur, sie wisse das Natja geboren worden sei als der große Bulle von ihrem Onkel am bösen Blick gestorben sei. Elendig verreckt sei der Bulle und im Jahre darauf sei irgendein bekannter Politiker Präsident von irgendwas geworden. Das zur Familienchronik dieser Familie. Nun, wie jedes Jahr gab die Familie ihr bestes um Natja und Roland zusammen zu bringen. Und genauso wie jedes Jahr versuchte er Natja zu erklären das das nicht möglich sei da er ja dort in Deutschland eine Freundin habe. Das war natürlich eine Lüge, aber sie war notwendig um sich weitere Nachstellungen durch die Familie von Natja zu ersparen! Und genauso wie jedes Jahr musste er sie trösten, ihr über die Haare streicheln und ihr ganz fest versprechen dass er, wenn er sich einmal von seiner Freundin trennen würde, er unbedingt sich an sie, Natja erinnern würde. Und wie immer danach, nach ein bisschen kindlichem Schmollen und ein paar Tränen von Natja war alles gut und bis zum nächsten Jahr aufgeschoben. Aber die Familie war zufrieden, zumindest hatte man es versucht! Und Roland hatte wieder einmal dieses wunderbare Mädchen abgewiesen!
Roland fragt sich schon mittlerweile selbst ob mit ihm im Bezug auf Frauen noch alles in Ordnung sei. Er war jetzt schon so lange alleine und ohne Frau das es ihm fast so vorkam als müsste das so sein. Er hatte zwar ab und an eine Beziehung zu einer Frau, immer nur Gelegenheitsbekanntschaften, aber auch immer nur, wenn von vorne herein unmissverständlich klargestellt war das es keine längere Bindung geben würde. Aber anstatt das ihm dieser Sex Erleichterung verschafft hätten, fühlte er sich jedes mal als ob er nun noch etwas mehr an Maria gebunden sei. Langsam wusste er nicht mehr ein noch aus! Dann, als an einem Sonntag als die Ernte zu Ende ging kam ein Pfarrer um auf dem Hof für die Zeitarbeiter eine Messe zu zelebrieren, weil, nun ja, … weil der liebe Gott und sowieso, die Saison nun zu Ende war, alle abreisen wollten usw. Es gab viele Gründe die er anführte. Er wagte sich an diesen alten Pfarrer heran und bat ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Roland kam sich einen Augenblick später so etwas von blöde vor das er sich vornahm nicht zu diesem Gespräch zu gehen. Aber er war sich schon klar darüber, er musste einfach irgendwann mit jemanden reden über das alles was mit ihm passierte und in der Vergangenheit passiert war. Es war alles einfach Zuviel, er musste mit jemanden reden! Er konnte ja keinen klaren Gedanken mehr fassen! Um dem alten Pfarrer aus dem Weg zu gehen ging er hinter den Hof dorthin wo der Ententeich war und setzte sich dort ins Gras. Sofort wurde er von den Enten umkreist und neugierig beäugt. Der Pfarrer, der ja von dem Bauern schön etwas zugesteckt bekam und sowieso pensioniert war, hatte auch viel Zeit und kam zu dem gleichen Entschluss wie Roland, dass es dort am Ententeich sehr angenehm sei und man sich da schön ein bisschen in die Sonne setzen konnte. Der Bauer würde ihn ja auf alle Fälle wieder zurück in sein Dorf bringen. Also spielte die Zeit für ihn keine Rolle und so schlenderte auch er, ohne von Roland zu wissen, langsam in Richtung des Ententeiches. Roland hatte sich ins hohe Gras gelegt und knabberte an einem ausgerissenen Grashalm. Er genoss diesen bitteren etwas säuerlichen Geschmack des Halmes in seinem Mund und vor allem genoss er das in der Sonne liegen.
Er hatte fast 800 Euro Bares in der Tasche, die Miete und Strom für seine Wohnung war bezahlt. Er wollte sich morgen von dem Bauer verabschieden, sich für das nächste Jahr vormerken lassen und dann heimfahren. Erst als der Schatten des Pfarrers die Sonne verdunkelte bemerkte das etwas anders war. Er öffnete die Augen und sah den alten Mann neben sich stehen. Ob er sich denn zu ihm setzen dürfe, ... und so ergab sich ein ins andere. Der Pfarrer setzte sich und drehte sich in aller Ruhe eine Zigarette und lockerte sich dann seinen alten und zerknitterten weißen Kragen. Er fragte Roland ob er denn auch rauche und als Roland verneinte paffte der alte Herr in aller Ruhe seine Zigarette. Und es war eine außergewöhnlich dicke Zigarette die der alte Mann sich gedreht hatte! Er sagte auch kein einiges weiteres Wort zu Roland, er saß einfach da und rauchte seine Zigarette und schaute interessiert den Enten und Gänsen zu.
Und auf einmal war Roland am reden. Er hatte gar nicht bemerkt das er etwas zu dem alten Mann gesagt hatte, er war auf einmal einfach nur am Reden. Dann auf einmal war es war nicht mehr aufzuhalten, es strömte nur so aus ihm heraus. Zuerst noch wirr und ungeordnet dann aber so nach und nach wurde aus dem Reden einfach ein lautes, geordnetes Nachdenken! Er redete jetzt nicht mehr mit dem Mann neben ihm sondern eher mit sich selbst! Und er war ehrlich mit sich. Er nannte die Dinge, die guten wie die schlechten, bei ihrem richtigen Namen. Er umschrieb nichts und beschönigte nichts. Der alte Pfarrer zeigte keine Regung. Selbst bei den härtesten Einzelheiten, er saß einfach da und hätte genauso gut ein Baumstumpf sein können. Und Roland war ihm dankbar dafür! Er wusste nicht mehr wie lange er geredet hatte. Auf alle Fälle wurde es langsam dunkel als Roland endlich still war und mit versteinertem Gesicht an dem die Tränen herunterliefen still dasaß.
Der alte Pfarrer stand jetzt auf und sagt zu Roland gewandt dass er jetzt ja alle Antworten wisse und sich sicher auch klar sei was zu tun sei. Wie bei einem kleinen Kind strich er noch ein mal ganz kurz Roland durch das Haar und ging dann, Roland am Teich allein zurücklassend in Richtung zum Hof zurück.
Nun zu der dritten Person meiner Erzählung, Jens!
(Jens) Jens war abgebrochener Kunststudent, abgebrochener Jura Student, er war gegen alles und jeden der wie er glaubte die Umwelt kaputt machte. Dauerdemonstrant für Mensch und Tier, für Gerechtigkeit auf der Welt, für oder gegen, je nach dem wie man es sieht, Himmel und Hölle! Er war völlig ungeordnet und er war sehr intelligent und mit einer sehr schneller Auffassungsgabe gesegnet. Er kannte eine unglaublich große Anzahl von Menschen aller Art, Klassen und Rassen und er kannte sie wirklich persönlich, nicht nur aus den Sozial Medien! Er war vierundzwanzig Jahre alt und hatte keinerlei feste Bindungen. Seine Mutter war seit langem tot, und sein Vater hatte sich, als er für sein Studium bezahlen sollte, irgendwohin ins Ausland aus dem Staub gemacht. Es war ihm aber auch völlig gleichgültig. Die einzige Person die er noch hatte und die er abgöttisch liebte war seine Oma. Er war zwar immer nur ziemlich unregelmäßig bei ihr, aber er unterließ es keinen einzigen Tag sie anzurufen. Manchmal redeten sie am Tag mehr als eine Stunde zusammen über alles was ihn so bewegte und so fühlte er sich ihr immer nahe. Dass es mal kein Geld für Essen gab, das kam schon mal vor, dafür hatte man ja Freunde. Aber dass ihm mal das Geld für den Handyvertrag ausging das würde nicht passieren. Er musste mit seiner Oma reden um zu wissen dass es ihr gut ging, erst dann ging es ihm auch gut. Ja, ... das war Jens, ein wirklicher liebevoller Hans Dampf in allen Gassen, der irgendwo in Wolkenkuckucksheim lebte und der bisher nie so richtig auf dieser Erde Fuß gefasst hatte.
Nun war es also passiert!
Seine Oma war tot! Es war eigentlich erst die Zeitungsnotiz die ihn aufmerksam gemacht hatte. Es sei in der Stadt eine alte Dame aufgefunden worden die vor zwei Tagen verstorben sei. Und seine Oma hatte gestern nicht auf seinen Anruf reagiert!? Jetzt hatte er von den Nachbarn erfahren dass es Wirklichkeit war, seine Oma war nicht mehr da. Sie war tot! Sein Gehirn weigerte sich es es zu glauben, alles in ihm sträubte sich gegen die sich in ihm immer mehr verfestigende Wirklichkeit das seine Oma nicht mehr da war. Es war ja schon früher vorgekommen das er angekommen war und seine Oma beim Einkaufen oder beim Arzt war. Er hatte sich dann auf die Treppe gesetzt und einfach auf sie gewartet. Irgendwann kam sie dann auch immer, … es war einfach so dass sie kommen musste! So hatte er sich auch jetzt in diesem ersten Moment gefühlt als ihm gesagt worden war dass seine Oma tot sei. Sie musste doch einfach irgendwann kommen! Erst als er wirklich eine Weile auf der Treppe saß um auf seine Oma zu warten, erst dann wurde ihm so richtig bewusst das sie nie wieder kommen würde. Mit einem Schlag, so als würde er plötzlich in ein Becken eiskaltes Wasser untergetaucht, wurde ihm die Endlichkeit des Lebens bewusst. Er saß einfach auf der Treppe, so wie immer wenn seine Oma nicht da war und er weinte. Der Schmerz lies ihn zittern und zerriss ihn innerlich fast! Lisa, seine Kindheitsfreundin, die jetzt mit ihren Kindern im dritten Stock wohne weil sie ihre Wohnung im Parterre mit seiner Oma getauscht hatte kam zu ihm runter und setzte sich neben ihn. Sie weinten zusammen und klammerten sich fest aneinander. Denn für Lisa war seine Oma auch Familie gewesen. Schon als Kinder hatten Jens und Lisa gemeinsam hier unten auf der Straße gespielt. Sie hatten fast immer den Tag nach der Schule gemeinsam bei seiner Oma verbracht bis Lisas Mutter dann spätnachmittags von der Arbeit zurück kam und sie dann zu der Wohnung im Erdgeschoss ihrer Mutter ging. Morgens gingen sie dann wieder gemeinsam zur Schule und nach der Schule wie selbstverständlich zu Oma. Und diese kleine Welt war für Jens in der Zeit als seine Oma noch lebte immer so klein geblieben. Sie war nie gewachsen! Nie hatte sich etwas in dieser Welt geändert! Selbst wenn er sich an Gott weiß welchen Orten, mit den verrücktesten Leuten bei irgendwelchen noch abgefahreneren Aktivitäten befand, das Daheim bei seiner Oma war seine kleines, unverrückbares Universum in dieser großen Welt! Und nun war dieser kleine geordnete und sichere Raum verschwunden, wie von Zauberhand, einfach weg!? Später als er sich ein kleines bisschen gefasst hatte ging Lisa mit ihm in die Wohnung der Oma. Sie wussten ja beide wo der Schlüssel „für Notfälle“ versteckt war! Wie stolz war seine Oma gewesen als sie dieses „Schlüssel-Versteck-für-Notfälle“ fand. Ein kleiner Schlitz in der Wand, direkt unter dem Briefkasten neben der Türe, mehr war es nicht! Aber sie hatte noch tagelang stolz von ihrem „Geheimversteck“ für den Schlüssel geredet. Lisa und Roland hatten gerade mal die Türe hinter sich zu gemacht als beide wieder zu weinen anfingen. Erst jetzt, als er Lisa anschaute und mit ihr weinte, wurde Roland neben seinem Schmerz erstaunt bewusst das Lisa seine Oma wirklich sehr geliebt hatte. Er nahm sich vor ihr diese Liebe irgendwie zurück zu geben. All die Jahre in denen er wirklich nur sehr unregelmäßig hier gewesen war hatte er nie daran gedacht wie seine Oma eigentlich täglich so lebte. Mit Sicherheit war es Lisa gewesen, die trotz ihrer zwei Kinder die ganzen kleinen unbequemen täglichen Erledigungen für Oma gemacht hatte. Tagtäglich, viele Jahre lang und ohne je auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Nach einer Weile meinte Lisa das sie nach oben zu ihrer Wohnung gehen müsse um nach den Kindern zu sehen. Er nickte nur und küsste, sie mit großer geschwisterlicher Liebe auf die Stirn. Lisa ging und zog die Türe leise hinter sich zu.
Nun stand er alleine in der kleinen Wohnung herum und wusste nicht was er tun sollte. Der Geruch in dem kleinen Flur, das gedämpfte Sonnenlicht das durch die Wohnzimmerfenster zur Straße herein schien. Die Geräusche der Straße, die Rufe der Kinder, die, genau wie er in seiner Kindheit, dort auf dem kleinen Hof spielten. Alles war so schmerzhaft vertraut, so gewohnt. Er ging weiter zum Wohnzimmer und warf im Vorbeigehen schnell noch einen Blick in die kleine Küche. Sie war wie sie immer gewesen war, blitzblank geputzt. Er wusste dort sofort, ohne auch nur eine Sekunde nachdenken zu müssen, wo jede Tasse, jedes Glas, jeder Topf und Teller seinen Platz hatte. Er ging langsam weiter in das kleine Wohnzimmer. Er kannte auch hier jedes Teil, von den kleinen Zierdeckchen bis zu jedem einzelnen Bild das in der alten Schrankwand stand. Das kleine in furchtbar grellbunten Farben gehäkelte Deckchen zum Beispiel. Es war einmal ein Geburtstagsgeschenk für ihn gewesen. Es war in der Zeit nach dem Tod seine Opas, an den er ja keine richtige Erinnerung mehr hatte, als es seiner Oma finanziell ziemlich schlecht ging. Da hatte sie dieses Deckchen für ihn zu seinem Geburtstag gehäkelt. Als sie es ihm schön eingepackt übergab meinte sie nur lachend das das kleine Deckchen ja eigentlich gar nicht das Geschenk sei sondern eher der Moment wenn er etwas größer sei und das hässliche Ding wegwerfen würde! Das würde dann Spaß machen! Das sei ihr wirkliches Geschenk! Sie nannte das kleine Deckchen lachend immer, „Die Zeitbombe“. Und so hatte alles hier in diesem kleinen Wohnzimmer seinen Platz und seinen Namen. Es fehlte halt eben nur die Oma! Er verspürte Durst und wunderte sich wieso bis ihm klar wurde das ja früher wenn er hier zu Besuch kam er sich immer auf die Couch gesetzt hatte und seine Oma ihm immer sofort ein Glas frisches Wasser aus dem Wasserhahn brachte. Nach diesem kleinen Ritual war er dann wirklich bei seiner Oma angekommen!
Da, gleich da drüben war die Türe zu dem kleinen Schlafzimmer der Oma. Er und Lisa hatten als Kinder immer hier gespielt wenn es einmal regnete oder es einfach zu kalt war um draußen zu spielen. Manchmal waren sie einfach so in das Bett von Oma gestiegen und hatten ein Nachmittagsschlaf gehalten. Wenn sie dann wach wurden gab fast immer einen kleinen, noch warmen Sandkuchen zu essen und viel warme Milch zu trinken. Er setzte sich auf die Couch und war ein bisschen erstaunt das er nicht weinen musste. Ganz ruhig schaute er sich in dem kleinen Wohnzimmer um und hielt mit dem Blick bei jedem der so vertrauten und bekannten Gegenstände inne. Und überall fiel ihm eine Geschichte dazu ein in der die Oma immer dabei war! Dann bemerkte er etwas das ungewöhnlich war und seine Aufmerksamkeit auf sich zog, etwas das noch nie bemerkt hatte. Dort, in der Lücke zwischen Wand und Schrankwand war etwas was er noch nie dort gesehen hatte. Dort in der „Gespensterecke“ wie Oma sie immer genannt hatte stand etwas was er nicht direkt identifizieren konnte. Es stand auf um hinzugehen und nachzusehen. Es waren zwei unterschiedliche Gehstöcke die da standen. Gehstöcke, wieso Gehstöcke? Warum, seine Oma war doch immer gut zu Fuß gewesen? Oder? Vielleicht waren die Gehstöcke ja von einem der Nachbarn! Er würde Lisa fragen! Bei Gott, wann war er denn das letzte Mal hier gewesen? Er dachte angestrengt nach und stellte fest das es schon mehr als 18 Monate her sein musste seit er das letzte Mal hier bei der Oma zu Besuch gewesen war!
Durch seine täglichen Gespräche mit ihr war es ihm immer so vorgekommen als wäre sie immer ganz nahe bei ihm gewesen. Und er hatte immer geglaubt dass er alles von seiner Oma wusste, dass sie ihm, so wie er ihr, immer alle diese kleinen kaum bemerkbaren Veränderungen in seiner täglichen Umwelt erzählt hatte. Er dachte immer er hätte seine Oma gekannt! Als er die Gehstöcke hochhob bemerke er das deren Gummipuffer völlig abgenutzt waren und mühsam mit Klebeband und Stücken aus alten Leder geflickt waren. Mit einem Mal zuckte ein beißender Schmerz durch ihn, fast wie ein Stromschlag! In diesem Moment wusste er mit Sicherheit das diese beiden Gehstöcke seiner Oma gehört hatten und das seine Oma fast nicht mehr hatte laufen können und er schämte sich seines Unwissens ganz tief. Auf einmal war er sich sicher dass sie ihm einfach ihren schlechten Gesundheitszustand verschwiegen hatte. Sie hatte ihn nicht belästigen wollen, das war es! Und er, wie ein kleines dummes Kind hatte einfach alles geglaubt weil es halt so bequem gewesen war nicht zu wissen, sich nicht zu ängstigen! Er schämte sich jetzt seiner Dummheit und Naivität. Sie war doch schon 78 Jahre alt gewesen. Wie hatte er glauben können das alles noch so war wie er es sich in seiner kleinen Vorstellungswelt arrangiert hatte? Denn mehr war es nicht was er sich in seinem Kopf vorgestellt hatte, eine Vorstellung wie in einem Theater. Aber das hier war die richtige Welt, das wirkliche Leben, das Leben seiner Oma! Er saß einfach auf der alten Couch und weinte wieder über alles, den Verlust seiner geliebten Oma, darüber das er jetzt völlig alleine war, seine Blindheit und Naivität, er weinte einfach über alles was ihn im Moment beschäftigte! Und ohne es zu merken wurde er, hier in der Dunkelheit, auf dem alten Sofa seiner Oma sitzend, erwachsen! Später als sie ihre Kinder zu Bett gebracht hatte kam Lisa wieder zu ihm in die Wohnung der Oma. Nach einer Weile des Redens war sie einfach erstaunt über den jungen Mann den sie seit ihrer Kindheit gekannt hatte. Das war nicht mehr der gleiche unbeschwerte Jens, der vor wenigen Stunden erst wieder angekommen war. Er war jetzt, ein in wenigen Stunden ausgereifter, erwachsener Mann geworden. Sie saßen noch bis spät in die Nacht gemeinsam auf dem Sofa, sich umarmend und weinend. Wir haben bis jetzt also vier Hauptpersonen die in unserer kleinen Geschichte eine Rolle spielen sollen. Maria, Roland, der kleine Italiener, und Jens. Es fehlen also noch einige Personen die wichtig für meine kleine Geschichte sind, zu denen wir jetzt so nach und nach kommen werden. Eigentlich sind es ja bis jetzt mehr Personen von denen wir geredet haben. Denn da ist ja noch Claire, Lisa, der Abteilungsleiter, die Oma! Aber diese Personen sind jetzt in diesem Moment noch nicht so ganz wichtig.
Aber um wieder zum Anfang meiner Geschichte zurück zu kehren, in diese graue Wohnblocksiedlung wo Maria wohnte, will ich jetzt etwas über eine „Nebenfigur“ erzählen. Die Freundin von Maria, Claire.
(Claire) Claire war eine sehr hübsche junge Frau. Sie war 23 Jahre alt und lebte alleine. Ihr tägliches Aussehen war eher unauffällig, fast langweilig. Sie war nicht im geringsten geschminkt und wirkte so deutlich jünger als sie wirklich war. Ihren reizvollen Körper verbarg sie geschickt und geschmackvoll unter der aller einfachsten und billigsten Mode die zu haben war. Zum Teil schon mal gebrauchter Kleidung. Sie stand wie man so sagt, mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Tatsachen.
Die Kinder in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft waren in Claire verliebt. Oder besser gesagt; alle diese Kinder liebten Claire abgöttisch. Sie war nie ungeduldig mit den Kindern und egal wann und wo sie die oder das Kind/die Kinder traf, ob auf dem endlosen Fluren des Wohnblocks, draußen an der Haltestelle, oder dort am Kiosk, immer hatte sie Zeit für die Kinder. Sie saß dann mit den Kindern oder dem Kind auf der Flurtreppe, auf der Bordsteinkante an der Haltestelle, auf irgend einer halb zerstörten Bank die irgendwo noch stand und hörte den Kindern zu. Nichts weiter! Selten unterbrach sie den Redefluss der Kinder um etwas zu sagen, sie war einfach nur da und hörte zu. Und die Kinder dankten es ihr indem sie Claire abgöttisch liebten, nicht mehr und nicht weniger! Die Kinder sagten ihren Eltern über diese Bekanntschaft eigentlich nur das Nötigste. Sie waren ja daran interessiert sich ihre Freundin zu erhalten. Das es da eine Frau gab die Claire hieß und das die sehr nett sei. Mehr sagte eigentlich keines der Kinder zu seinen Eltern. So als wenn sie sich abgesprochen hätten, taten sie so als wenn sie gerade mal eben Claire gesehen und ihren Namen erfahren hätten. Denn die Kinder waren ja von den Erwachsenen gelehrt worden dass man sich an niemanden, außer der direkten Familie zu gewöhnen hatte. Alle anderen Menschen waren eigentlich nur so etwas wie eine vorübergehende Erscheinung, eine Art Fata Morgana nicht mehr, da durfte man sich nicht daran gewöhnen und weniger noch sich ihnen vertrauensvoll nähern. So konnte Claire leben ohne das sie das Interesse von irgendwem geweckt hätte. Das heißt, einige der Männer in ihrer Nachbarschaft schauten ihr schon mal heimlich voller Geilheit nach. Aber was die interessierte war ja nicht Claire als Mensch, sondern nur ihre Beine, ihre Brust oder ihr Hintern. Sonst interessierte diese Männer ja nichts an ihr. Das Gesicht schon mal gar nicht. Niemand interessierte sich also wirklich für Claire oder was und wo sie arbeitete, wie sie mit Nachnamen hieß oder ähnliches. Keiner hatte wirkliches Interesse an ihr!
Niemand außer den Kindern war wirklich neugierig etwas über Claire zu wissen. Drei, vielleicht vier der Kinder waren in den Jahren in der kleinen, aber immer blitzsauberen Wohnung von Claire gewesen. Sonst niemand! Und das waren so gesagt, auch nur Notfälle gewesen. Wenn sie z. B. grün und blau geschlagen waren, oder einfach nur über den Tod eines Familienmitglieds nicht hinweg kamen oder ähnliches. Es gab also niemand der nach ihr fragte. Keine Polizei, kein Gerichtsvollzieher, kein Verkäufer von irgendwas, absolut niemand kam je zu ihr oder fragte auch nur nach ihr! Und das war schon gut so! Denn Claire hatte ihre Geheimnisse!
(Claire) Eines davon war dass Sie wohl arbeitete wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne. Sowieso, man hätte sie in ihrer „Arbeitskleidung“ nicht wiedererkannt und wenn man sie auch noch so gut gekannt hätte. Sie trug dann eine Perücke und ein Haarteil in der passenden Farbe und sie war wunderschön geschminkt und gewissermaßen einmalig in ihrer dortigen Welt in die sie dann eingetreten war. Sie trug wunderschöne hochelegante Kleider denen man sofort ansah das es nicht bei C&A gekauft war.
Ja es ist schon klar was du jetzt denkst; eine Edel-Prostituierte! Nein sie war keine Prostituierte! Sie arbeitete bei einem Escord Sevice der Begleitungen an Geschäftsleute stellt, aber zu den Bedingungen der Mädchen. Frau Ross, die Eigentümerin des Escort-Service stellte bei ihren Kunden immer sofort, natürlich höflich und freundlich, aber unmissverständlich klar das mit dem Service nicht automatisch Sex eingekauft wurde. Das musste dann direkt mit den Mädchen verhandelt werden und auch an direkt an die Mädchen gezahlt werden. Nur die Sonderkosten, wie ärztliche Gesundheitskontrollen usw. mussten von diesem Geld an sie abgeführt werden. Das waren dann, je nachdem wie weit zu gehen das Mädchen bereit war, bis 150 Euro pro Woche die der Arzt für jede Untersuchung verlangte. Deswegen hatte Frau Ross auch so viele Mädchen die für sie arbeiten wollten. Die Mädchen wurden keine Ware! Sie wurden von niemanden zu nichts gezwungen Sie durften sich noch entscheiden. So konnte Frau Ross sich die allerschönsten Mädchen heraus suchen. Sie bereitete dann die Mädchen in etwa 8 bis 10 Wochen täglich auf ihre „Arbeit“ vor. Sie mussten lernen sich zu „benehmen“. Sie mussten lernen in angebrachter Form ihre eigenen Interessen dem Kunden gegenüber durchzusetzen. Sie mussten lernen ganz elegant zu gehen, unverbindliche Konversation zu machen. Und so weiter, es war für viele der Mädchen die ja meistens aus den einfachen Schichten der Bevölkerung kamen wirklich nicht leicht! Aber wenn sie dann mit ihrer „Lehrzeit“ fertig waren, dann waren sie, wie man sie in ihren Fachkreisen nannte, ein Ross-Mädchen! Und das unterschied diese Mädchen von Prostituierten. Sie mussten keine sexuellen Gefälligkeiten akzeptieren wenn das nicht vorher zwischen den Beiden ausdrücklich so ausgehandelt war! Einige Mädchen wie Claire waren generell nicht dazu bereit sich für Sex zu verkaufen.
Aber einmal hatte Claire es doch getan weil sie sich von dem angebotenen Geld blenden ließ. Es war einfach schlimm gewesen. Sie hatte so wie es üblich war Frau Ross mitgeteilt dass sie auf dieser Party mitmachen würde weil sie dachte sie würde das gut überstehen und es war auch der Verdienst der sie lockte. Aber es war unglaublich kalt und grausam abgelaufen. Auf der Party konnte sie sich die erste Stunde noch selbst belügen und sagen dass es ja nur für das Geld sei und keinerlei weitere Bedeutung für sie habe usw. Aber je weiter der Abend voranschritt umso schlimmer und unerträglicher war es gewesen.
Sie fühlte sich furchtbar zerstört! Also fing sie an mehr zu trinken als ihr gut tat. Mit fortschreitender Trunkenheit wurde ihr innerer Widerstand immer geringer und sie machte bei Dingen mit zu denen sie sich nüchtern niemals hergegeben hätte. Sie benahm sich als wenn es kein morgen mehr geben würde. Aber das Grausame an diesem Abend war, dass ihre Trunkenheit niemals soweit ging das sie, Claire, aus diesem schrecklichen Abend ausgeblendet war. Obwohl sie die ganze Nacht darauf achtete dass ihr Glas niemals leer wurde reichte die Menge an Alkohol nicht einmal annähernd aus um sie aus diesem Horrorszenario raus zu schleudern.
Die Tage danach waren gezeichnet von einem unglaublichen harten moralischem Tiefpunkt. Sie kam dann ganz, aber wirklich ganz langsam über das Geschehene weg. Aber sie nahm sich vor so etwas nie wieder zu tun. Und daran hatte sie sich bis zum heutigen Tag auch eisern gehalten! Es gab nicht genug Geld auf der Welt um sie wieder soweit zu bringen das sie von ihrem Vorsatz abgewichen wäre und für Geld mit einem Mann geschlafen hätte. Und so war es geblieben. Seit jener Nacht hatte sie keinerlei Sex mit Männern mehr gehabt und es fehlte ihr auch nicht wirklich. Mit den Malen als sie mit Maria Sex gehabt hatte war sie zufrieden. Mehr musste es vorläufig nicht sein! Genauso wie Maria schätzte sie an diesen Treffen das zwanglos entspannte, sich vertraut sein. Aber trotzdem sie „nur Begleitung“ machte verdienten sie meistens sehr gut, manchmal, an einem guten Wochenende wenn irgendwo eine europaweit bedeutende Messe war bis zu 4 000 Euro für 3 oder vier Tage begleiten! Da sie ganz bescheiden lebte hatte sie mittlerweile eine schöne Stange Geld in Goldmünzen in Ihrem Bankschließfach. Ein richtiges Bankkonto wollte sie nicht, denn das hätte ja das Interesse des Finanzamtes hervorrufen können. So lebte sie ihr Leben völlig unauffällig und ruhig.
Das war also Claire die Freundin von Maria.
(Muli) Jetzt kommen wir aber wieder auf eine andere Hauptperson unserer Geschichte zurück, Muli! Sein richtiger Name war eigentlich Muhamed Ali. Seine Eltern hatten ihn nach dem großen Boxer Cassius Clay, der sich ja später Muhamed Ali nannte benannt. Der Name wurde mit der Zeit von seinen Freunden auf dieses Kürzel gebracht, Muli! Er war ein sehr lebhafter, und aufgeschlossener Mensch. Er war 25 Jahre alt, sah sehr gut aus und interessierte sich für vieles, vor allem für viel und leicht verdientes Geld. Das was seine Eltern gesagt hatten, dass aus ihm nie was anständiges werden würde schien sich zu bewahrheiten. Ihm war nicht zu trauen, vor allem wenn es um Geld ging! Er stahl wie ein Rabe und in seinem Bekanntenkreis beschrieb man ihn in dem man sagte, dass sein Vorname Ali und sein Nachname Rabe sei! Alle Menschen die ihn umgaben waren ihm gleichgültig und waren für ihn nichts anderes als „Selbstbedienungsläden“. Seine Eltern waren da nicht ausgeschlossen, auch sie betrog und bestahl er rücksichtslos. Selbst bei Kindern hatte er keine Hemmungen ihnen unter Drohungen Geld oder Wertsachen abzunehmen. Er machte alles was illegal möglich war und sich ihm anbot. Irgendwelche Drogen verkaufen, Autos ausrauben, kleine Einbrüche, er machte einfach alles, außer zu arbeiten um an Geld zu kommen! Zweimal war er als Jugendlicher bei Straftaten erwischt und auch verurteilt worden. Das erste Mal bekam er eins auf drei, d.h. 1 Jahre Gefängnis das auf 3 Jahre Bewährung ausgesetzt wurde. Er hielt die drei Jahre durch ohne das er wieder festgenommen worden wäre. Das heißt aber nicht das er nichts angestellt hatte. Er machte genauso weiter wie vorher, nur das er es in diesen drei Jahren klüger anstellte. Beim zweiten Mal war er schon volljährig und wie der Richter sagte, es war eine deutliche Steigerung in seinem kriminellen Potenzial erkennbar. Er verletzte bei diesem Überfall ohne Grund den Eigentümer dieses Geschäfts das er überfiel schwer. Diesmal war der Richter unnachgiebig und er musste für fast 3 Jahre ins Gefängnis. Seine Mutter und sein Vater waren auch bei dieser Gerichtsverhandlung anwesend und schämten sich wegen ihm abgrundtief. Im Gefängnis glaubte er so weitermachen zu können wie draußen. Er bestahl die falsche Person und deshalb ging ihm im Gefängnis eine Zeitlang sehr schlecht. Aber auch hier lernte er schnell seine Lektion und er tat sich dann mit Leuten zusammen die, genauso wie er, ohne jede Rücksicht waren. Er war sehr klug und lernte schnell und ging niemals wieder so weit dass er die Interessen der „wichtigen“ Personen im Gefängnis verletzt hätte. So kam er wieder in Freiheit, jetzt aber als wirklich rücksichtslose und gefährliche Person. Er ging noch einmal, so kurz zwischendrin bei seinen Eltern vorbei und verprügelte beide rücksichtslos. Er warf ihnen vor dass sie sich nicht genug um ihn gekümmert hätten als er im Gefängnis gewesen war. Dann ging er, schlug die Türe hinter sich zu und dachte nicht ein einziges mal mehr in seinem Leben an seine Eltern. Als er ging weinten seine Eltern. Nicht wegen der Schmerzen sondern weil sie jetzt, ohne die beschönigenden Augen der elterlichen Liebe, ganz klar sahen wie böse ihr Sohn war! Jetzt war Muli mittlerweile 26 Jahre alt und zu seiner angeborenen Klugheit war noch ein Element hinzugekommen. Er war durch hartes Training sehr kräftig und kämpferisch geworden. Sein gutes Aussehen machte es ihm leicht Mädchen kennen zu lernen und so kam Eins zum Anderen. Auf einmal hatte er sechs Mädchen „am arbeiten“. Er war richtig stolz auf sich! Jetzt hatte er was er sich immer erträumt hatte, viel Geld, Macht über andere Menschen, goldenen Schmuck im Überfluss und ein einmaliges Luxusauto! Und es kam wie es kommen musste. Er brauchte Drogen um „seine Mädchen“ am arbeiten zu halten. Er selbst hatte nie harte Drogen genommen und er hatte auch nicht vor damit anzufangen. Aber es sollte anders kommen! Eine seiner Mädchen, die besonders hübsch war und sich deswegen oft bei ihm zu Hause aufhalten durfte war sich darüber was ihr blühen würde wenn sie einmal etwas älter wäre und nicht mehr genügend Geld anschaffen konnte, völlig klar. Sie hatte einen Entschluss gefasst. Sie wollte ganz persönliche Rache und Genugtuung von ihm. Sie hatte ihn wirklich geliebt und er hatte sie von Anfang an nur benutzt mit der Absicht sie für sich anschaffen zu lassen. Sie hatte durch Muli alles verloren was ihr etwas bedeutet hatte.Sogar ihre Eltern waren früh gestorben ohne dass sie noch etwas von ihr wissen wollten. Sie wollte Rache und Genugtuung! So arbeitete sie wirklich eisern und lieferte auch wirklich immer alles Geld das sie hatte an ihn aus. Oder besser gesagt fast alles Geld. Sie behielt soviel für sich um sich, unbemerkt von Muli, täglich ein kleines bisschen Heroin zu kaufen. Wenn sie dann bei Muli zu hause war und irgendeine Kleinigkeit zu essen machen sollte mischte sie immer ein kleines bisschen Heroin unter sein Essen oder seine Getränke. Sie hatte auch immer wenn er „sein“ Geld, das sie auf der Straße verdient hatte abholte irgendeine kleine präparierte Süßigkeit für ihn. So nach und nach, ganz langsam wurde Muli heroinsüchtig. Er bemerkte erst einmal nichts, da die Mengen an Heroin die unter sein Essen gemischt war sehr klein war. Aber im Laufe von 10 bis 12 Monaten stiegen die Mengen an Heroin an das unter sein Essen gemischt war an. Er war dann nach jedem Essen oder nach jeder Sauferei immer voller euphorische Glücksgefühle, und fühlte eine gut tuende, wohlige Entspannung die seinen ganzen Körper erfasste. Die gesamte Welt war dann zu klein für ihn und er träumte was er noch alles erreichen wollte. Er merkte gar nicht dass er schon süchtig war. Er gab dann immer dem Alkohol die Schuld daran dass er sich dann so gut fühlte. Seine schlechten Zähne lies er mit den teuersten Brücken und Goldzähnen ausbessern.
Aber sein körperlicher Zustand verschlechterte sich innerhalb von weniger als zwei Jahren deutlich sichtbar. Erst verlor er ein Mädchen dann eine Andere. Dann musste er seine Wohnung kündigen. Dann sein Auto verkaufen usw. Es ging für alle sichtbar ganz klar bergab mit Muli.
Ja und dann, während seiner tiefsten Hoffnungslosigkeit, überredete ihn jemanden sich seinen ersten Schuss zu setzten. Erst jetzt, während seines ersten Schusses wurde ihm klar was eigentlich mit ihm los war. Er war Heroinsüchtig! Aber in diesem Moment, und während dieses Rausches war es ihm egal!
Aber dann begann für ihn die Hölle! Das Mädchen das ihm immer das Heroin zugeführt hatte war bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie hatte ihm immer, bis zum letzten Tag reichlicher Heroin unter sein Essen und in seine Getränke gemischt. Und auf einmal war er auf einem kalten Entzug! Etwa zwölf Stunden nach der letzten Dosis Heroin begann er, unruhig zu werden. Ein großes Schwächegefühl überkam ihn, er gähnt ohne es kontrollieren zu können und er zitterte vor Kälte und schwitzt gleichzeitig, heftig. Seine Augen und seine Nase tropfte und ihm kam es vor als ‚stieg heißes Wasser‘ in seiner Kehle empor und er müsse kotzen. Dann irgendwann fiel er in einen unruhigen tiefen Schlaf. Beim Erwachen, 18 bis 20 Stunden nach Einnehmen der letzten Dosis, betrat er die unglaublich hässlichen Regionen seiner „ganz persönlichen Hölle“! Nun war es zuerst einmal mit Muli vorbei!
Zuerst einmal schien es so als ob alle, außer Muli, jetzt glücklich sein könnten. Aber eigentlich hatte sich wirklich nicht viel verändert. Die Mädchen die für Muli gearbeitet hatten wechselten nur den Zuhälter. Das war für die Mädchen alles was es an Änderungen gab. Bei vielen von den Mädchen die auch unter Muli angeschafft hatten reichte die Energie noch nicht einmal um Schadenfreude oder ähnliches für Muli zu empfinden. Er war ihnen einfach egal! Es war den Mädchen noch nicht einmal jetzt klar dass sie in dem Moment ihre Freiheit verloren hatten als sie ihre Freiheit gegen die scheinbare Sicherheit von einem Zuhälter eintauschen. Sie waren einfach zu erschöpft dafür! Alles ging so weiter wie vorher. Anschaffen, Geld abgeben, ab und zu eine Tracht Prügel und dann hinterher versuchen, wenn auch nur im Schlaf, ein kleines Stück Glück zu erhaschen. Morgens dann, mit einer unklaren Erwartung von Glück aufwachen und alles begann genauso wie es gestern gewesen war wieder von vorne. Es hatte sich scheinbar für keinen der Beteiligten, außer für Muli wie gesagt, etwas geändert. Aber wie wir noch sehen werden, für eines der Mädchen, Elisa das war ihr richtiger Name, hatte sich doch etwas geändert. Sie hatte einen Entschluss gefasst! Aber dazu später!
(Roland) Nun aber zurück zu Roland. Er war nachdem er von der Gurkenernte wieder zuhause war einfach ein paar Tage sozusagen auf der faulen Haut liegen geblieben und hatte eigentlich nichts getan und nur auf seiner Couch herum gelegen. Aber er arbeitete an sich. Tausende Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Sein früheres Leben, das Jetzt und hier, vor allem fragte er sich jetzt was denn seine Zukunft sein sollte. Er war sich schon klar darüber dass dieses Nachdenken jetzt, eine Folge des Gespräches dort am Ententeich war. Denn ihm war so nach und nach, ganz langsam bewusst geworden dass ihm Maria fehlte. Er vermisste sie wirklich! An Liebe oder ähnliches dachte er noch nicht! Oder besser gesagt, er schämte sich zu sehr um daran zu denken. Er redete sich ein dass es nur Neugierde war warum er sie nach dieser langen Zeit wieder sehen wollte. Er würde sich aus einigem Abstand mit ihrer jetzigen Situation vertraut machen. Wenn sie glücklich sein sollte, wenn er diesen Eindruck haben sollte … gut dann würde er sich umdrehen und einfach wieder zurück reisen. Er wünschte sich so sehr dass sie glückliche sein sollte, weil unbewusst klar war dass er sich dann hätte ersparen können mit ihr in Verbindung zu treten. Aber andererseits wollte er sie unbedingt treffen. Er hatte zwar Angst davor mit ihr zusammen zu treffen und vor allem auch mit ihr reden zu müssen. Er hätte sogar Marias Glück ohne ihn akzeptiert, wenn er ihr nur nicht in die Augen schauen musste. Er kämpfte mit sich o



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